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Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Hamburg

10 Jahre Sternenkinder-Gottesdienste und -Bestattungen in Walsrode

Donnerstag, 16. November 2017

Anfang des Jahres 2007 bildete sich auf Anregung des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises, der damaligen Krankenhaus-Seelsorgerin sowie Vertretern des Heidekreis-Klinikums eine Initiative zur Errichtung einer Begräbnis- und Gedenkstätte für Sternenkinder auf dem Walsroder Friedhof. An der Initiative beteiligten sich Bestatter, Friedhofsausschuss, Gärtnereien, die ev.-luth. Krankenhaus-Seelsorge sowie die katholische Gemeinde. Sternenkinder sind Kinder, die aus verschiedenen Gründen nicht ins Leben kommen konnten. Dazu gehören Kinder, die bei der Geburt oder im Mutterleib gestorben sind sowie auch abgetriebene Kinder.

Vor dieser Initiative wurden Kinder, die nicht bestattungspflichtig waren, vom Walsroder Krankenhaus in das Diakoniekrankenhaus in Rotenburg überführt und dort zweimal im Jahr eingeäschert und bestattet. Die Eltern kannten in der Regel den Bestattungsort nicht, wenn sie nicht selbst ihr Kind bestatten ließen. Wie in anderen Städten wurde daher auch in Walsrode eine Begräbnis- und Gedenkstätte eingerichtet und damit ein sichtbarer und erreichbarer Platz für die Eltern und Verwandten geschaffen. Ihnen gab man damit die Möglichkeit, ihr Sternenkind aufzusuchen, Blumen niederzulegen und ihm zu gedenken. Ab November 2007 wurde zweimal jährlich in Walsrode eine ökumenische Trauerfeier mit Bestattung für die Sternenkinder unter Einladung der betroffenen Eltern und Angehörigen durchgeführt.

Zahlreiche Bestatter der Region sowie auch Gärtnereibetriebe erklärten sich bereit, die Kindersärge, den Blumenschmuck und die Dekoration zu spenden sowie auch die Beerdigungen selbst kostenlos durchzuführen. Zu den Bestattungsunternehmen, die die Kindersärge spenden und kostenlos die jeweiligen Bestattungen durchführen, gehören: Cohrs und Söder Bestattungen, Bestattungen Daniela Farthmann, Bestattungen Kreth, Bestattungshaus Körner, Bestattungen Walkling, Bestattungen Homfeld, Bestattungen Otterstätter, Bestattungen Köhler, Ohlau Bestattungen. Die Dekoration und Ausgestaltung der Trauerfeiern mit Blumen und Pflanzen wurde immer sehr großzügig, phantasie- und liebevoll von den verschiedenen Blumen- und Gärtnereibetrieben der Region gespendet. Diese sehr zahlreichen Betriebe können an dieser Stelle nicht alle namentlich aufgeführt werden.

Die ev.-luth. Kirchengemeinde Walsrode stellt als Träger des Friedhofs unentgeltlich den Begräbnisplatz zur Verfügung und bereitet durch die Mitarbeitenden des Friedhofs die zweimal jährlich stattfindende Sternenkinder-Bestattung mit vor. Der Friedhofsgärtner hilft auch den Beerdigungsunternehmen bei den jeweiligen Bestattungen an der Gedenkstätte. Die Kirchengemeinde Walsrode gewährleistet zudem die Pflege des Begräbnisplatzes durch den Friedhofsgärtner und stellt zweimal jährlich unentgeltlich die Friedhofskapelle für die Trauerfeiern zur Verfügung. Sie übernimmt auch die Kosten für den Organistendienst.

Für die Erstellung des Gedenksteines der Sternenkinder, der sich ganz in der Nähe der Kindergräber auf dem Walsroder Friedhof befindet, sowie für die Herrichtung des Platzes (Pflasterung und gärtnerische Gestaltung) wurden 15.000 Euro (12.000 Euro kostete das Grabmal, 3.000 Euro die Gestaltung des Platzes) benötigt. Die Kosten wurden aus Spendenmitteln aufgebracht (Kommunen, Samtgemeinden, Kirchengemeinden, der ev.-luth. Kirchenkreis, diekatholische Kirchengemeinde, Banken/Kreissparkassen, Heidekreis-Klinikum, Walsroder Zeitung und weitere Institutionen, z. B. Ortsvereine, Nachbarschaftsvereine sowie private Spender waren daran beteiligt.) Der Rotary-Club übernahm die Kosten für die Pflanzen sowie die Pflanzaktion.

Der Sternenkinder-Gedenkstein selbst befindet sich im Mittelpunkt der Sternenkinder-Grabstätte. Dieser Gedenkstein wurde vom Künstlerpaar Andrea Kleinschmidt und Thomas Anderseck (aus Mengebostel) geschaffen. Beide arbeiten bildhauerisch sowohl mit Basalt als auch mit anderen Gesteinen und Metall. Zu der Form und zu dem Symbol des Gedenksteins, der aus Basalt und Metall hergestellt wurde: Zwei Säulen, aus Basalt und Metall bestehend und einer Höhe von ca. 1,8 Metern, stellen die Partner dar. Aus ihrer Mitte entsteht eine Knospe. „Knospe" heißt: Keine Blüte, denn vor dem Blütenwachstum stirbt die Knospe. Somit symbolisiert diese Knospe, die von den beiden Basaltsäulen umschlossen wird, das Sternenkind, das vor dem Erblühen als Knospe starb. Am 24. November 2007 wurde der Platz eingeweiht. Er wird mindestens 25 Jahre genutzt werden können, um Sternenkinder dort zu begraben.

Die Mitarbeitenden der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe händigen den betroffenen Eltern einen von der Krankenhaus-Seelsorgerin verfassten Brief aus, der über den Verbleib der Kinder und die Bestattung informiert. Dabei findet sich ein Formular, in dem Eltern sich eintragen können, wenn sie zur Sternenkinder-Beerdigung eingeladen werden möchten. Dieses Formular wird an die Krankenhaus-Seelsorge weitergegeben. Die Eltern erhalten daraufhin von der Krankenhaus-Seelsorgerin Maike Becker-Petzold einen Brief, in welchem sie zur nächsten stattfindenden Sternenkinder-Beerdigung, in der dann auch ihr Kind bestattet werden wird, eingeladen werden. Etliche Mitarbeiterinnen der Station A2 (Gynäkologie und Geburtshilfe) des Heidekreis-Klinikums gestalten ehrenamtlich die liebevoll hergerichteten Sternenkinder-Kästchen, in welchen die Sternenkinder für ihre Beerdigungen eingebettet werden. Kurz vor der jeweiligen Sternenkinder-Beerdigung werden die Sternenkinder in ihren Sternenkinder-Kästchen von der Krankenhaus-Seelsorgerin Becker-Petzold gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Prosektur des Heidekreis-Klinikums – Bernd Ostermann oder vertretend Frank Horstmann – in den Kindersarg eingebettet.

In Absprache mit dem Superintendenten Ottomar Fricke als Vertreter des ev.-luth. Kirchenkreises Walsrode (seit 2009) ist die Krankenhaus-Seelsorgerin verantwortlich für die Koordination und Organisation der Sternenkinder-Gottesdienste und -Beerdigungen. Letztere werden kostenlos und reihum durch die jeweiligen Bestattungsunternehmen, Gärtnereien und den Walsroder Friedhof durchgeführt. Die Sternenkinder-Gottesdienste werden regelmäßig mitgestaltet durch Dr. med. Michael Abend, Chefarzt der Finkelstein-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Heidekreis-Klinikum, und Antonia Tumbrink, Mitarbeiterin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und zugleich Mitarbeiterin in der katholischen Kirchengemeinde Walsrode, sowie Pfarrer Christoph Müller von der katholischen Kirchengemeinde. Die Sternenkinder-Gottesdienste und -Bestattungen finden jeweils am letzten Freitag im November sowie am letzten Freitag im Mai um 14 Uhr in der Walsroder Friedhofskapelle an der Saarstraße statt. Durch die regionalen Zeitungen werden zu diesen Trauer-Andachten nochmals alle betroffene Eltern und ihre Angehörigen und Freunde eingeladen. Auch alle anderen Eltern und Mitbetroffene, die schon vor längerer Zeit ein Sternenkind hergeben mussten und keine Möglichkeit hatten, angemessen Abschied zu nehmen, sind herzlich willkommen.

Der nächste Sternenkinder-Gottesdienst findet am Freitag, dem 24. November um 14 Uhr auf dem Walsroder Friedhof an der Saarstraße statt. Die Sternenkinder-Beerdigung beginnt wie immer in der Friedhofskapelle. Während der Trauerfeier wird den Eltern, den Angehörigen und allen anderen Betroffenen die Möglichkeit gegeben, Lichter für ihre Sternenkinder anzuzünden und Sterne mit Namen bzw. mit Symbolen zu beschriften und als Erinnerung mit zur Grabstätte und/oder mit nach Hause zu nehmen. Nach dem Gottesdienst in der Kapelle werden die Sternenkinder gemeinsam auf ihrem Weg zu ihrer letzten Ruhestätte an der Sternenkinder-Begräbnis und -Gedenkstätte auf dem Friedhof begleitet – an den Ort der Erinnerung, an dem die Eltern und alle Mitbetroffene trauern können und den sie alle zukünftig immer wieder aufsuchen können.

Der ev.-luth. Kirchenkreis Walsrode, die Krankenhaus-Seelsorge und das Heidekreis-Klinikum danken allen Beteiligten für ihr Engagement. (Krankenhaus-Seelsorgerin Maike Becker-Petzold ist telefonisch unter 05161 602-1261 zu erreichen.)

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