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Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Hamburg

Mit Musik im Ohr Leben retten

Freitag, 19. Oktober 2018

Weltanästhesietag im Heidekreis-Klinikum: Schulsanitäter üben mit Anästhesisten den Ernstfall der Reanimation.

„Hallo! Hilfe, mein Opa bekommt keine Luft mehr. Wer kann mir denn mal helfen?" Im Gesundheitszentrum Walsrode ging es am vergangenen Dienstag hoch her. Ein Mann liegt mit hochrotem Kopf auf dem Boden und greift sich an die Brust. Doch wirkliche Gefahr droht in dem Moment für den Mann nicht. Er mimt einen Herzinfarkt, um die Schülerinnen und Schüler, die an dieser Aktion anlässlich des Weltanästhesietages unter dem Motto "Jeder kann ein Leben retten" im Heidekreis-Klinikum teilnahmen, aus der Reserve zu locken.

Über 40 Schulsanitäter der Grundschule Süd, der Felix-Nussbaum- Schule und des Gymnasiums Walsrode haben die Möglichkeit genutzt, den Mitarbeitern der Anästhesie aus dem Heidekreis-Klinikum Fragen zu stellen und Erste-Hilfe-Maßnahmen zu erlernen und aufzufrischen. So können Durchblutungsstörungen beispielsweise durch Druckausübung auf den Fingernagel sichtbar werden, normalerweise färbt sich das Nagelbett kurz weiß und wird rasch wieder rosa. Bleibt das Nagelbett länger weiß, könnte das ein Zeichen für verminderte Durchblutung und einem möglichen Schockzustand sein. Für die jugendlichen Teilnehmer sind auch Apps interessant, die den nächstgelegenen Standort eines Defibrillators anzeigen.

Verständliche Erklärungen angepasst an die jeweilige Gruppe waren den Anästhesisten besonders wichtig. Warum ist es beispielsweise so wichtig, eine Herzdruckmassage nicht länger als 10 Sekunden zu unterbrechen? Die Profis erklären es so: „Den Blutstrom im Körper können wir uns wie einen Güterzug vorstellen. Der letzte Wagon setzt sich später in Bewegung als der Erste. Stoppt der Strom, beginnt dieser Prozess wieder von neuem." Um auch unter Stress richtig zu handeln hilft es, sich den Slogan „Herzstillstand? – Prüfen, Rufen, Drücken" zu merken. Beim „Drücken" sollte die Frequenz bei 100 bis 120 Kompressionen pro Minute liegen. Um sich den „Takt" besser zu merken, kann es hilfreich sein, „Stayin' Alive", „Highway to Hell" oder „Atemlos durch die Nacht" zu summen. Auch wenn wohl alle Titel ein wenig ironisch klingen, die Hauptsache ist, dass es hilft.

Die Anästhesisten sind besonders von den Grundschülern begeistert: „Besonders beeindruckend ist, welches Vorwissen bereits die Schüler der Grundschule Süd mitbringen. Dies zeigt, dass auch Angebote für Dritt- und Viertklässler sinnvoll und wichtig sind. So schrecken die Kinder viel weniger vor Notfallsituationen zurück und handeln schneller", erklärt Felix Camphausen, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin. Dazugelernt haben die Kleinsten an dem Tag auch noch, „das heißt nicht an der Puppe rumdrücken, sondern Herzdruckmassage", korrigieren sie sich gegenseitig.

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