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Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Hamburg

Projekt: „Patienten Blood Management“ – weil Blut so kostbar ist

Mittwoch, 13. Februar 2019

Immer weniger Menschen spenden Blut, außerdem gibt es weitere gute Gründe, so wenig Blut wie möglich im Krankenhaus zu transfundieren.

Blutspenden retten Leben – aber immer wieder melden Blutspendedienste, dass Blutkonserven knapp werden. „Das", so Karsten Röttger, Leitender Oberarzt der Anästhesie und Intensivmedizin und Transfusionsverantwortlicher im HKK, „ist aber nur ein Grund, weshalb wir seit etwa drei Jahren das „Patient Blood Management" am Heidekreis-Klinikum eingeführt haben und immer weiter entwickeln. So ist es uns gemeinsam gelungen, die Transfusionsrate mehr als zu halbieren." Ein weiterer wichtiger Grund für diese Entscheidung war, dass Patienten, die transfundiert werden, ein höheres Risiko für Komplikationen wie zum Beispiel für akutes Nierenversagen, Herzinfarkt oder auch für Infektionen haben.

Was bedeutet „Patient Blood Management" konkret?
„Der Hämoglobinwert – das ist der rote Blutfarbstoff, der den Sauerstoff im Blut ermöglicht und indirekt Auskunft über die Menge des Blutes gibt, die ein Mensch besitzt – unserer Patienten wird vor ihrer Operation ermittelt. Ist er tatsächlich zu niedrig, so wird er vor der OP optimiert", erklärt Karsten Röttger. Eine Blutarmut ist nämlich gar nicht selten: Etwa drei von zehn Patienten haben niedrige Hämoglobinwerte, welche zum Beispiel oft durch Eisenmangel verursacht sind. „Gelegentlich detektieren wir hierdurch aber auch andere, vorbestehende Erkrankungen, die dann im interdisziplinären Zusammenspiel erst diagnostiziert werden."

Man weiß heute allerdings auch, dass viele Patienten niedrigere Hämoglobinwerte verkraften, als früher vermutet. So oft muss also gar kein Fremdblut eingesetzt werden. Röttger: „Im Transfusionshandbuch ist bei uns konkret geregelt, unter welchen Bedingungen eine Transfusion überhaupt sinnvoll ist. Und der Satz, dass eine Blutkonserve, keine Blutkonserve sei und man daher in der Vergangenheit immer mindestens zwei Konserven transfundiert hat, ist Vergangenheit."

So wird nach jeder Transfusion im Heidekreis-Klinikum kontrolliert, ob tatsächlich eine Indikation für eine weitere Konserve besteht („Single-Unit-Policy"). Ein weiterer wichtiger Baustein der fremdblutsparenden Maßnahmen ist die gezielte Labordiagnostik, um die Blutentnahmen hierfür auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren.
Karsten Röttger erklärt: „Alle Blutabnahmen aller Patienten zusammengerechnet ergeben pro Jahr mehrere Hundert Liter Blut für Labordiagnostik. Deshalb haben wir uns übergreifend in allen Fachabteilungen für noch bewusstere Blutentnahmen entschieden. Aber auch die Verwendung kleiner Probenröhrchen beispielsweise in der Pädiatrie gehört dazu."
Noch eine weitere Maßnahme „spart" Blut: Im Heidekreis-Klinikum kann das Wundblut, also Blut, das an der Operationswunde austritt, abgesaugt und gesammelt werden. Transfusionsverantwortlicher Karsten Röttger: „Dieses Wundblut, bzw. die roten Blutkörperchen können dem Patienten – nachdem es durch den sogenannten CellSaver „gewaschen" wurde, an den Patienten zurückgegeben werden. Dies erfolgt bei jeder OP bei der eine entsprechende Blutung auftreten kann, wenn keine speziellen Krankheiten wie z. B. ein Tumorleiden oder eine schwere Infektion vorliegen. Aber – und das ist für unsere Patienten mindestens genauso wichtig – auch die operativen Kollegen leisten an dieser Stelle, durch den Einsatz schonender OP-Verfahren einen zentralen Beitrag: Es blutet meistens gar nicht so viel während der OP, sodass dieses oben beschriebene Verfahren überhaupt nur in speziellen Situationen zum gezielten Einsatz gebracht werden muss."

Bei allen „blutsparenden" Maßnahmen und den möglichen Komplikationen, ist eines jedoch unbestritten: Hat ein Mensch zu viel Blut verloren, z. B. durch einen Verkehrsunfall, so kann einzig und allein nur die Übertragung von Blutkonserven das Leben dieser Patienten retten! Karsten Röttger: „Sollte man als Patient eine Blutkonserve erhalten haben, braucht man auch nicht Angst vor Komplikationen haben. Durch hohe Sicherheitsstandards und Fortschritte in den Untersuchungstechniken beträgt zum Beispiel das Infektionsrisiko von HIV oder Hepatitis C ca. 1:1 Millionen. Da ist es weit gefährlicher, sich mit dem Auto auf die Autobahn zu begeben... Trotz der Erfolge im „Patienten Blood Management" wünschen wir Mediziner uns auch weiterhin, dass die Bereitschaft in der Bevölkerung besteht, regelmäßig Blut zu spenden. Dafür versprechen wir, dass wir mit dieser kostbaren Spende sehr sorgsam für das Wohl unserer Patienten umgehen!"

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