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Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Hamburg

Heidekreis-Klinikum wird durch Reha-Kliniken unterstützt

Dienstag, 21. April 2020

Heidekreis-Klinikum wird durch Reha-Kliniken unterstützt: Bereit, falls die Katastrophe doch noch kommt.
Die Lage ist momentan ruhig: Im Heidekreis-Klinikum, in den Kliniken der angrenzenden Landkreise, in ganz Niedersachsen. Dennoch bestimmt die Corona-Krise den Alltag von uns allen, trotz der Lockerungen, die die Bundesregierung am 15. April beschlossen hat.

„Das Heidekreis-Klinikum hat die letzten Wochen genutzt, um sich immer weiter auf eine mögliche Pandemie vorzubereiten", sagt Geschäftsführer Dr. med. Achim Rogge. So wurden an beiden Standorten Isolierstationen mit insgesamt 24 Betten eingerichtet. Die Intensivstationen wurden aufgestockt, mittlerweile stehen insgesamt 33 Betten zur Verfügung, davon sind 18 Bettplätze mit Beatmungsgeräten ausgestattet. Innerhalb von 24 Stunden könnte das Heidekreis-Klinikum auf 48 Intensivbetten und 29 Beatmungsplätze hochfahren. Dr. med. Achim Rogge: „Zudem haben wir seit Mitte März – entsprechend einer Vereinbarung von Bund und Ländern – alle planbaren Operationen und Eingriffe verschoben, um zum Beispiel unsere Intensivstationen so weit wie möglich freizuhalten." Insgesamt sind momentan bis zu 200 Betten an den Standorten Soltau und Walsrode frei." Die Isolierstationen waren bisher noch nie voll belegt, obwohl alle Verdachtsfälle – Patienten, mit Fieber, aber auch Atemwegserkrankungen – stets nur dort aufgenommen werden. Professor Schmitz, Ärztlicher Direktor des Heidekreis-Klinikums erklärt: „Erst nach einem negativen Test, das heißt, der Patient ist nicht mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert, werden diese Patienten auf eine sogenannte Normalstation verlegt."

Was aber, wenn sich in naher Zukunft doch noch deutlich mehr Menschen mit dem Coronavirus infizieren?
Es ist eine Gratwanderung, auf der sich ganz Deutschland befindet. Nur eine Herdenimmunität könnte nachhaltig vor einem Wiederaufflackern der Ausbreitung schützen. Von einer Herdenimmunität spricht man dann, wenn mehr als 70% der Bevölkerung eine Immunität erworben haben durch eine eigene Erkrankung oder eine Impfung. Beides ist aber nicht der Fall. Somit muss die Ansteckungskurve auch weiterhin flach gehalten werden, damit deutschlandweit stets genügend Krankenhaus- und Intensivbetten für Covid-19-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf zur Verfügung stehen.

Leichter Krankheitsverlauf bei bis zu 90 Prozent der Infizierten
Bei rund 85 - 90 Prozent aller Infizierten scheint die Krankheit Covid-19 einen leichteren Verlauf zu nehmen: Hier reicht es, wenn sich die Betroffenen 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben.

Professor Schmitz: „Bei etwa 10 Prozent der Betroffenen verläuft die Infektion aber so schwer, dass diese Menschen eine Behandlung im Krankenhaus benötigen. Für einen noch nicht sicher zu beziffernden Anteil der Erkrankten ist sogar eine intensivstationäre Betreuung nötig, da der Zustand dieser Patienten lebensbedrohlich ist. Beziehen wir diese Rechnung auf den Heidekreis würde ein geschätztes Krisenszenario bedeuten:

1. Damit eine Infektionskrankheit aufhört, sich auf natürlichem Wege auszubreiten, müssen möglichst viele Menschen eine Abwehr aufgebaut haben. Man spricht dann von einer Herdenimmunität. Diese ist bei einem Nachweis von Antikörpern gegen das SARS-CoV-2-Virus bei 70 % der Bevölkerung der Fall. Gegenwärtig liegen wir bei weniger als 1 % Durchseuchung in Deutschland. Die Herdenimmunität hätte den Vorteil, dass die meisten Maßnahmen zur sozialen Eindämmung der Erkrankung nicht mehr erforderlich wären!

2. Um aber die notwendige Herdenimmunität von 70 % zu erreichen, müssten sich 100.000 Einwohner mit dem Virus infizieren, solange es (noch) keine Impfung gibt. Folgt man dann einem mathematischen Modell, dass auf einer Schätzung beruht, dass etwa 10 % dieser Herde von 100.000 Einwohnern, das sind 10.000 infizierte Menschen, einen schweren Krankheitsverlauf bekommen könnten, dann müssten demzufolge auch10.000 zusätzliche Krankenhausbehandlungen für dieses Krankheitsbild eingeplant werden. Das ist ein mathematisches Krisenszenario mit erheblichen Fehlerquellen. Wir reden da sehr leicht über eine Fehlerquote von plus / minus 90 %. Aus 10.000 geschätzten Krankenhausfällen können aber auch nur 1.000 resultieren. Auch das ist möglich. Damit müssen wir zu leben lernen."

Für einen möglichen Katastrophenfall gerüstet sein
„Diese Rechenbeispiele zeigen, dass – egal wie entspannt die Lage momentan ist – wir dennoch darauf vorbereitet sein müssen, innerhalb kurzer Zeit viele Patienten mit COVID-19 Verdacht im Heidekreis-Klinikum aufnehmen zu können.", so Landrat Manfred Ostermann. „Diese Krankheit, bzw. ihre Entwicklung ist sehr dynamisch, ihr Verlauf ist nicht vorhersehbar. Deshalb ist es wichtig, dass der Heidekreis auch für einen möglichen Katastrophenfall inhaltlich, strategisch und zuletzt auch ganz praxisorientiert gerüstet ist."

Ein 3-Stufen-Konzept für den Heidekreis, bisher wurde Stufe 2 noch nie erreicht
In enger Abstimmung mit dem Landkreis und dem Gesundheitsamt hat der Krisenstab des Heidekreis-Klinikums deshalb unter der Leitung von Geschäftsführer Dr. med. Achim Rogge das Stufenkonzept „Sonderlage COVID-19 am Heidekreis-Klinikum" entwickelt. Dieses Konzept legt fest, welche Maßnahmen bei steigender Anzahl von COVID-19 Patienten durchzuführen sind. Dr. med. Ulrich Blumenthal, Chefarzt der Intensivmedizin und Anästhesie erklärt: „Unser Konzept umfasst drei Stufen. Stufe 1 wird dabei in 1a und 1b unterteilt: In Stufe 1a gibt es wenige COVID-19 Patienten, diese liegen auf der Isolierstation – und ggfs. auf der Intensivstation in Walsrode. Stufe 1b: Wir haben in beiden Häusern auf der Isolier-, bzw. Intensivstation wenigstens einen COVID-19-Patienten."

Momentan steht das HKK auf Stufe 1a; das heißt: Am Standort Walsrode befinden sich zwei Patienten auf der Intensivstation, dazu 1 bestätigter COVID-19 Patient auf der Isolierstation. Das Krankenhaus in Soltau hat keinen COVID-19 Patienten (Stand 20.04.2020). Dr. Blumenthal: In Stufe 2 befinden wir uns, wenn die Patientenzahlen von COVID-19-Erkrankten ansteigen. Beide Isolierstationen und Intensivstationen „füllen" sich, so dass wir für weitere Plätze sorgen müssen. Wir würden dann anfangen, unsere nicht an Covid-19 erkrankten Patienten in unsere Reservekrankenhäuser verlegen."

Käme Stufe 3, wäre das HKK an beiden Standorten voll ausgelastet. Dr. Blumenthal; „Dann müssten wir Ersatzintensivstationen öffnen, wir würden Notfälle in unseren Zentralen Notfallaufnahmen diagnostizieren, Not-Operationen durchführen, natürlich auch Geburten begleiten etc. danach aber stabile Patienten in unsere Reservekrankenhäuser verlegen."

Was sind eigentlich Reservekrankenhäuser?
In Abstimmung mit dem niedersächsischen Sozialministerium wurden die beiden Reha-Kliniken „Klinik Fallingbostel" in Bad Fallingbostel und „Mediclin" in Soltau zu Reservekrankenhäusern ausgewiesen. Beide Kliniken sind nicht ,nur' Reha-Einrichtungen, sondern führen auch Krankenhausbetten. Landrat Manfred Ostermann: „Ein großer Vorteil für die gesamte Bevölkerung des Landkreises: Für Patienten, die dorthin verlegt würden, ist so eine hochqualifizierte medizinische und pflegerische Betreuung gewährleistet."

Beide Reha-Kliniken halten jeweils 100 Betten für Patienten ohne COVID-19 Erkrankungen frei. Geschäftsführer Wilfried Bissel, Klinik Fallingbostel: „Unser Haus ist eine Fachklinik zur Rehabilitation von Herz- und Kreislauferkrankungen. Unser Behandlungsschwerpunkt liegt u. a. auf Herz- und Gefäßerkrankungen, aber auch auf die Vorbereitung und Nachsorge von Patienten mit Herztransplantationen und Patienten mit Kunstherzen. Bei uns arbeiten Fachärzte für Innere Medizin, aber auch Pneumologie, Kardiologie und Allgemeinmedizin. Somit können wir Patienten mit internistischen, aber auch kardiologischen Erkrankungen rundum bestens versorgen. Genauso könnten wir auch Patienten aus dem HKK nach chirurgischen Eingriffen bei uns aufnehmen. Selbstverständlich sind auch Patienten, die z. B. Diabetes mellitus leiden bei uns pflegerisch und medizinisch in besten Händen."

Das Reha-Zentrum für die Fachbereiche Orthopädie, Neurologie, Geriatrie und Psychosomatik MEDICLIN in Soltau wiederum könnte internistische, geriatrische, neurologische und orthopädische/ unfallchirurgische Patienten kompetent versorgen. Kaufmännischer Direktor Sebastian Bergholz: „Durch unsere Schwerpunkte sind wir für die Behandlung von älteren Patienten und Menschen mit Mehrfacherkrankungen bestens aufgestellt. Wir könnten zum Beispiel geriatrische Patienten aus dem HKK Soltau übernehmen, wenn das Heidekreis-Klinikum weitere Stationen zu Isolierstationen eröffnen muss." Ebenso könnten bei MEDICLIN aber auch unfallchirurgische, orthopädische oder Patienten der Inneren Medizin aufgenommen werden.

Drei Kliniken, die sich zusammen um die stationäre Versorgung im Heidekreis kümmern
Dr. med. Achim Rogge, Geschäftsführer des Heidekreis-Klinikums: „Es ist sehr beruhigend zu wissen, dass wir – falls es zu einer Verlegung unserer Patienten kommen müsste – so hochkompetente Partnerkliniken aus dem Reha-Bereich an unserer Seite wissen! Das Wissen, dass unsere Patienten zu jedem Zeitpunkt in den allerbesten Händen sind, beruhigt uns in diesen unruhigen Zeiten sehr. Gemeinsam schaffen wir es, dass alle Patienten von uns zusammen bestmöglich versorgt werden."

Natürlich hoffe man, so Landrat Ostermann und die Geschäftsführer der Kliniken, dass Stufe 2 und Stufe 3 des Stufenkonzeptes des Heidekreis-Klinikums gar nicht erst erreicht werden. Landrat Ostermann: „Aber falls der Krisenstab des Heidekreis-Klinikums entscheiden muss, dass Patienten in die Reservekrankenhäuser verlegt werden müssen, so können wir dies gut vorbereitet, in Ruhe und der Gewissheit tun, dass jeder Patient weiterhin bestmöglich versorgt ist." Die Zukunft ist nicht vorhersehbar, aber der Heidekreis ist auf jede Situation bestmöglich vorbereitet.

 

 

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