Menu

Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Hamburg

Heidekreis-Klinikum stellt neues Gesamtkonzept vor

Mittwoch, 27. Mai 2020

Die Gesundheitsversorgung im Landkreis Heidekreis steht heute vor anderen Herausforderungen als noch vor einigen Jahren. Das Heidekreis-Klinikum erwirtschaftet in seiner jetzigen Form mit zwei Standorten große Defizite, die der Landkreis als Gesellschafter dankenswerterweise bislang zu tragen bereit war. Alle Mitarbeitenden im Heidekreis-Klinikum arbeiten hoch motiviert an einem gemeinsamen Ziel: Bestmögliche Gesundheitsleistungen anbieten und dabei die Defizite auf ein Minimum senken.

Dies ist dem Heidekreis-Klinikum im letzten Jahr in einem ersten Schritt gelungen, das Defizit 2019 konnte um drei Millionen gesenkt werden. Geschäftsführer Dr. med. Achim Rogge: „Auch in den kommenden Jahren können über das umfassende Sanierungskonzept weitere Defizitsenkungen eintreten, ein Rückgang auf eine schwarze Null ist jedoch nicht erreichbar." Dies hat auch der Träger der Investitionskosten für Krankenhäuser, das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, erkannt und bereits im Februar 2018 deutliche Signale Richtung Gesamtklinikum in einem Neubau gesetzt. Seitdem durchläuft das Heidekreis-Klinikum verschiedene Verfahren, die den Bezug, eines für den Großteil der im Heidekreis lebenden Bevölkerung gut erreichbaren Gesamtklinikums, Mitte des Jahres 2026 zum Ziel haben.

Um die Gesundheitsversorgung im Landkreis langfristig zu sichern, ist ein umfassendes Konzept notwendig. „Mit einer stationären Versorgung in einem modernen Gesamtklinikum an einem für die Mehrheit der Heidekreisbewohner gut erreichbaren Ort, mit ausgebauten ambulanten Angeboten in den Medizinischen Versorgungszentren in den Mittelzentren Soltau und Walsrode, in denen Internisten, Gynäkologen und Kinderärzte ein breites Spektrum für Familien anbieten und mit neuen Angeboten zur stationären Dauer- und Kurzzeitpflege in den Altstandorten sehen wir den Landkreis zukunftssicher aufgestellt.", fasst Dr. med. Achim Rogge zusammen. „Denn eines haben die Analysen auch gezeigt, beide Altstandorte können für den schnell wachsenden Bedarf in der Altenpflege gut genutzt werden. An beiden Standorten wird der Landkreis weiterhin Gesundheitsleistungen anbieten und auch Arbeitsplätze binden sowie neue schaffen."


Was ist der neue Sachstand zur Neubauplanung?

Im Rahmen der Neubauplanungen arbeitet das Heidekreis-Klinikum mit Archimeda, einem unabhängigen und auf Krankenhausbauten spezialisierten Beratungsunternehmen, zusammen. Innerhalb dieser Zusammenarbeit haben in den letzten beiden Jahren zahlreiche Termine mit den Fachabteilungen des Klinikums stattgefunden, der Inhalt reichte von den Nutzeranforderungen bis zum Betriebsorganisationskonzept (BO-Konzept). Geschäftsführer von Archimeda, Dr. med. Hartwig Jaeger: „Das BO-Konzept definiert die grundlegenden Anforderungen an das neue Klinikum für den Architektenwettbewerb. Je konkreter die Vorgaben aus dem BO-Konzept sind, desto genauer weiß ein Architekt, welche Kriterien er in seinem Entwurf berücksichtigen muss."
Das BO-Konzept ist der Baustein in der Neubauplanung, der sich damit befasst, wo und wie alle Bereiche im Neubau angeordnet sein können. Kurz gesagt, die Geschossplanung. Wo wird später die Kinderabteilung verortet sein, wo die bettenführenden Abteilungen, wo die Psychiatrie stationär und ambulant, auf welchen Ebenen und mit welchen „Nachbarn"? Daneben wird auch abgewogen, welche Anordnungen innerhalb der Abteilungen zweckmäßig und effektiv sind. Wie können Wege für die Mitarbeiter optimiert werden? Durch welche baulichen „Kniffe" lassen sich Patienten in den Notaufnahmen zukünftig effektiver behandeln, so dass ihre Zufriedenheit steigt. Wie viele OPs werden benötigt? Wie sehen die Patientenzimmer aus? Wird es nur Einbettzimmer geben? Geschäftsführer Dr. med. Achim Rogge: „Wir können uns vorstellen, Deutschlands erstes Krankenhaus mit ausschließlich Einbettzimmern zu werden. Untersuchungsabläufe, Privatsphäre und Datenschutz lassen sich dadurch deutlich besser als bisher gestalten. Durch Einbettzimmer wäre zudem die Infektionsübertragung deutlich erschwert." Die Ergebnisse des BO-Konzeptes werden in den für Juli 2020 geplanten Architektenwettbewerb einfließen.


Welche neuen Erkenntnisse gibt es hinsichtlich der sieben Gebietskulissen?

Wie im Februar letzten Jahres mitgeteilt, konnten sieben Gebietskulissen im Heidekreis gefunden werden, die groß genug und gut gelegen sind für ein Krankenhaus mit 376 Betten (einschließlich 31 tagesklinischer Betten) und einer Erreichbarkeit für den Großteil der Bewohner im Landkreis. Diese sieben Gebietskulissen wurden in einem zweiten Schritt über das vorgesehene Raumordnungsverfahren (ROV) hinsichtlich der städtebaulichen, infrastrukturellen und umweltbezogenen Verträglichkeit vorbetrachtet. Weiterhin wurden die Eigentümer hinsichtlich ihrer Verkaufsabsichten befragt. Georg von Luckwald vom beauftragten LandschaftsArchitekturbüro: „Im Ergebnis sind vier Grundstückoptionen übrig geblieben, je eines bei Soltau, Dorfmark, Bad Fallingbostel und Walsrode. Bei drei der ursprünglich sieben Gebietskulissen haben die Besitzer einen Verkauf kategorisch ausgeschlossen."

Das ROV stellt die Frage danach, wo gebaut werden KANN. Um einen zukunftsfähigen Standort zu finden, sind jedoch auch umfassende Versorgungs- und Marktanalysen notwendig. Ein Patient sucht entweder das nächstgelegene Krankenhaus auf oder das, wo er glaubt, die beste medizinische Behandlung zu erhalten. Es ist also wichtig, an einem Ort zu bauen, der bereits für die meisten Menschen im Landkreis gut zu erreichen ist. Weiter entfernt wohnende Patienten können über eine gute Qualität der medizinischen Versorgung überzeugt werden.

Die vier in der Vorbetrachtung zum ROV übrig gebliebenen Standorte wurden aufwändigen Analyseverfahren unterzogen. So konnte festgestellt werden, an welchem Standort die meisten Menschen in kurzer Zeit das neue Gesamtklinikum erreichen können. Dabei flossen auch Analysen zur Einwohnerentwicklung, zu erwartenden Erkrankungsquoten und Konkurrenzbetrachtungen mit ein. Beauftragt mit den aufwändigen Analysen wurde trinovis, ein unabhängiges Beratungsunternehmen, welches sich mit der Medizinstrategie zukunftsfähiger Krankenhäuser befasst. Projektleiterin Amelie Zoch von trinovis: „Im Ergebnis zeigt der Standort bei Bad Fallingbostel die besten Werte, er ist am schnellsten erreichbar und hat das höchste Fallpotenzial." Warum ist das so? Der Standort zeichnet sich durch eine Besonderheit aus, das Grundstück bei Bad Fallingbostel liegt autobahnnah und ist über zwei Zufahrten zu erreichen, über eine Bundes- und eine Kreisstraße.

Dadurch können bis zu 185.000 Einwohner aus dem Heidekreis und den umliegenden Kreisen den Standort innerhalb der vorgegebenen Richtzeit für die Grund- und Regelversorgung (maximal 30 Minuten) erreichen. Der Versorgungsbedarf an möglichen stationären Krankenhausfällen innerhalb des 30 Minuten Einzugsgebietes ist für diesen Standort mit etwa 45.000 Fällen ebenfalls am höchsten. Vergleichsweise dazu erschließt der Walsroder Standort einen Einzugsbereich von knapp 156.000 Einwohnern und das statistisch berechnete Fallpotenzial liegt bei ca. 37.000 Fällen. Das Grundstück bei Dorfmark erreichen 129.000 Einwohner in 30 Minuten, der Versorgungsbedarf liegt hier bei 31.000 Fällen. Für den Standort südlich von Soltau haben die Analysen ergeben, dass ca. 99.00 Einwohner innerhalb der Richtzeit das Gesamtklinikum erreichen würden und das Fallpotenzial bei etwa 24.000 liegt.


Wie geht es weiter?

Gestern kam der „Beirat Neubau" in einer Sitzung zusammen und wurde ausführlich über den aktuellen Sachstand informiert. Das Beratungs- und Empfehlungsgremium setzt sich aus den Vertretern der Kommunen, der Fraktionen des Kreistages, der Ärzteschaft im Landkreis, des Betriebsrates und der Chefärzte des Heidekreis-Klinikums sowie gegebenenfalls aus weiteren Fachleuten zusammen. In der Woche zuvor tagte der Steuerkreis Neubau, ein Gremium bestehend aus folgenden sieben Mitgliedern des Aufsichtsrates: Herrmann Norden (Vorsitzender des Steuerkreises und Vorsitzender des Aufsichtsrates), Sebastian Zinke (Stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrates), Landrat Manfred Ostermann, Karin Fedderke (Kreistagsabgeordnete), Dr. Hans-Peter Ludewig (Kreistagsabgeordneter), Friedrich-Otto Ripke (Kreistagsabgeordneter), Dr. Ronald Begemann (Aufsichtsratsmitglied) und Dr. med. Achim Rogge (Geschäftsführer HKK). In den folgenden Wochen werden weitere Gremien ausführlich informiert, unter anderem die Kreistagsfraktionen. Am 18. Juni ist der Sachstand und die Beratung zum Neubau des Heidekreis-Klinikums Thema der Sitzung im Ausschuss für Bau, Natur, Umwelt und Landwirtschaft. Am 26. Juni werden die Kreistagsmitglieder über Vorträge von den Fachexperten eingehend zum Sachstand Neubau des Heidekreis-Klinikums informiert.

Fördermittel können nur für ein konkretes Projekt mit einer konkreten Planung beim Land Niedersachsen beantragt werden. Nächster Schritt bei der Fördermittelbeantragung ist die Abgabe der Haushaltsunterlage Bau (HU-Bau) Ende des 3. Quartals 2021. Die HU-Bau muss eine detaillierte Darstellung über das gesamte Bau-Projekt beinhalten (Entwurf des Architekten und Kostenunterlagen). Aufsichtsratsvorsitzender Herrmann Norden: „Es ist Vorgabe des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, zuerst das Grundstück dinglich zu sichern und dann den Architektenwettbewerb zu starten. Um den Zeitrahmen für den Architektenwettbewerb und die Erarbeitung der HU-Bau einhalten zu können, erfordert es die dingliche Sicherung des Baugrundstückes bis Juli 2020." Der eigentliche Kauf des Grundstückes erfolgt bei einer dinglichen Sicherung erst mit dem positiven Fördermittelbescheid.

Beim Anklicken dieser Stichwörter finden Sie weitere Informationen zum Thema: