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Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Hamburg

Matrose im Ehrenamt

Donnerstag, 14. Juni 2018

Philipp Wichmann, 26, studiert Schiffbau und maritime Technik in Kiel. Jetzt engagiert er sich für vier Monate ehrenamtlich in einer 35-Stunden-Vollzeitwoche für die Grünen Damen und Herren in Soltau. Dabei ist er im Krankenhaus, der Reha-Klinik und den Altenheimen anzutreffen und außerdem in seiner Heimatkirchengemeinde.

Moin,

mein Name ist Philipp und ich möchte diese Gelegenheit nutzen, mich und meine Motivation vorzu-stellen. Wenn ich mich mit Leuten unterhalte, ernte ich oft verwunderte Blicke, wenn ich erzähle, dass mein Engagement nicht auf ein Pflichtpraktikum im Studienverlauf zurückzuführen ist, ich darüber hin-aus gar nichts mit einem sozialen Studium am Hut habe. Im Gegenteil, studiere ich doch etwas techni-sches wie Schiffbau. Zuvor habe ich Schiffsmechaniker auf Hochseeschiffen gelernt. Wie passt das zu-sammen? Ich sage Ihnen, wo der Hase im Pfeffer liegt: Seit meiner Konfirmandenzeit bin ich ehren-amtlich in meiner Heimatkirchengemeinde als Teamer unterwegs – und das mittlerweile 13 Jahre lang. Während dieser Zeit habe ich verschiedenste Strukturen kennenlernen dürfen angefangen bei der Kin-dergottesdienst-Unterstützung bis hin zur verantwortungsvollen Gruppenleitung auf Konfirmanden-freizeiten. Das hat es also mit meinem sozialen Hintergrund auf sich. Dieser ist mit Sicherheit ein aus-schlaggebendes Kriterium gewesen, weshalb meine Bewerbung um ein Stipendium beim evangeli-schen Studienwerk Villigst erfolgreich war. Hier bin ich seit gut einem Jahr Stipendiat und vom breiten Spektrum möglicher Unterstützung begeistert. In meinem konkreten Fall heißt eine dieser Unterstüt-zungen Sozialsemester. Studierenden soll in diesem Rahmen ermöglicht werden, sich sozial, ökologisch oder politisch engagieren zu können – bewusst nicht auf einem studiennahen Gebiet – Stichwort Tel-lerrand. Und das Ganze in einem zeitlichen Umfang, der unter „normalen" Umständen nicht so ohne weiteres möglich wäre. Dafür unterstützt das Studienwerk dieses vier bis sechsmonatige Engagement auch finanziell.

Meine Wahl fiel auf die Evangelische Kranken- und Altenhilfe, weil ich in meiner Vergangenheit wenig mit Alter und/oder Krankheit zu tun hatte und ich Erfahrungen auf diesem Gebiet spannend finde. Alter, Krankheit und Tod sind bekanntermaßen ja Themen, die wir als Gesellschaft (aber auch als Indi-viduum) gerne vor uns herschieben. Leistung zählt. Und dafür haben wir Helferlein, die uns beispiels-weise „trotz Erkältung voll im Alltag stehen lassen" – mit Verlaub, etwas plakativ ausgedrückt. Ich möchte „hinter die Kulissen schauen" und mich damit konfrontieren. Seit fünf Wochen mache ich jetzt Besuche im Krankenhaus, der Reha-Klinik und den Altersheimen. Meine ersten Runden drehe ich auch schon mal alleine. Die Begegnungen und Reaktionen sind jeden Tag aufs Neue spannend: „Ein Grüner Herr – und dann auch noch so jung!", höre ich des Öfteren. Offenbar fülle ich mit meinem Typ eine Stelle aus, die in diesem Rahmen in Soltau bisher nicht besetzt war. Das kommt aber gut an. Und zu-sammen mit der Zeit, die ich täglich mitbringen kann, entstehen tolle Gespräche, die auch mal erfri-schend unter die Oberfläche gehen. Eine tolle Sache meines Sozialsemesters ist die zeitliche Flexibili-tät. Es bleibt genug Raum, um Ideen umzusetzen, die aus den Begegnungen hervorgehen. Beispiels-weise einem Musiknachmittag mit Gitarre und dazu passenden Geschichten auf der Geriatrie-Station. Oder dem Bauen eines Bücherhalters für Patienten im Krankenbett.

Was mich fasziniert ist die Tatsache, morgens aus dem Haus zu gehen, aufs Rad zu steigen und selbst genug zu sein, um so viel Freude stiften zu können. Es ist so einfach (nicht zu verwechseln mit „leicht"). Ich stelle für mich wieder einmal fest: gelebte Nächstenliebe ist nicht nur wichtig, sondern notwendig. Da können wir als Gesellschaft noch so fortschrittlich sein, Liebe lässt sich nicht optimieren oder weg-rationalisieren. Sie braucht Bewusstsein und Zeit. Ich bin stolz, ein Rädchen im diesem Getriebe zu sein! Unter anderem deswegen werde ich nach meinen vier Monaten ehrenamtlicher Unterstützung

mit Sicherheit Möglichkeit finden, mein Engagement weiterzuführen. Ich bin schon jetzt Teil eines tol-len Teams, das mich vollkommen integriert hat und mir bei Fragen und Unsicherheiten zur Seite steht. So fühle ich mich den verschiedensten Situationen gewachsen, die, wie ich finde, wie eine Wundertüte hinter der Tür warten, an die ich gerade geklopft habe.