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Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Hamburg

Regionaltagung 2017

Mittwoch, 10. Mai 2017

Was gut ist, bleibt auch gut!

Veränderung braucht Zeit und Mut. Und vor allem eine unterstützende Binnenmotivation, damit ein Umbruch gelingen kann. Die Neupositionierung der Evangelischen Kranken- und Alten-Hilfe e.V. (eKH) begleitete auch das diesjährige Regionaltreffen in Niedersachsen.

„Ich verstehe gar nicht, was das Problem ist. Die eKH, das sind doch wir – die Grünen Damen und Herren, wir alle!", für Andrea Goedecke ist das eine klare Sache. Sie ist eine von vielen, die vollstes Verständnis für die Neupositionierung des Vereins haben. Fast 50 Jahre kam die gemeinnützige Einrichtung, die nunmehr seit 2004 als eingetragener Verein mit über 11.000 Ehrenamtlichen in mehr als 750 Gruppen in Deutschland aktiv ist, ohne Mitgliedsgebühren aus. Mit der diesjährig in Kraft getretenen Satzungsänderung sind z.B. die Grünen Damen und Herren zur ordentlichen Mitgliedschaft berufen und haben damit zugleich ein Mitbestimmungsrecht. Allerdings ist mit der Mitgliedschaft auch ein Jahresbetrag von 24€ verbunden. Aus ehrenamtlichen Mitarbeitenden werden nun ehrenamtliche Mitglieder. Andrea Goedecke, die als Gruppenleiterin mit ihrem Team aus Bad Pyrmont zur Regionaltagung angereist ist, sieht den Unmut einiger Grünen Damen und Herren nicht „allein" in dem neuen Mitgliedsbeitrag begründet. Es gehe vielmehr um die dadurch emotional empfunden abwertende Würdigung des überaus großen persönlichen Engagements jedes einzelnen. Und damit ist der Kern der Dinge erfasst.

Bundesvorstand, erweiterter Vorstand, Geschäftsstelle und Landesbeauftragte sind sich der Verantwortung bewusst, die mit der Neupositionierung einhergeht und die von allen getragen werden muss, denn nur so kann die gute Arbeit der Grünen Damen und Herren auch weiterhin effektiv und nachhaltig ausgeführt werden. Der Auftrag der leitenden Gremien lautet daher, die organisatorische sowie finanzielle Situation und damit die Notwendigkeit einer zukunftsfähig aufgestellten professionellen Organisation auf Bundesebene bis hin zu den Gruppen transparent zur Aussprache und Diskussion zu bringen.

„Nur wer sich ändert, bleibt sich treu." Wolf Biermann

So geschehen auch bei der Regionaltagung Niedersachsen der Evangelischen Kranken- und Alten-Hilfe e.V. (eKH) im Ökumenischen Kirchenzentrum in Hannover-Mühlenberg im Frühsommer dieses Jahres.

Als Referent konnte Loring Sittler, ehemaliger Leiter des Generali Zukunftsfonds (GZF), gewonnen werden mit einem Vortrag über die potentielle Notwendigkeit einer erneuerten persönlichen und selbstbewussten Sichtweise auf die eigene ehrenamtliche Arbeit in Hinsicht eines Gemeinwohlproduzenten. Aufgrund der demografischen Entwicklung sei die Gesellschaft immer mehr auf das Engagement jedes Einzelnen angewiesen. Um den sozialen und existentiellen Herausforderungen der Zukunft gerecht werden zu können, brauche es auch eine neue innere Haltung jedes einzelnen. Es gehe darum, so Sittler, eine wirksame Zusammenarbeit bei gemeinsamen Zielen anzustreben. Einzelkämpfertum und ewige Konkurrenz müssen ein Ende finden, auch in und zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Die eKH mit ihrer gesunden gewachsenen Struktur sei überall hoch anerkannt und gewürdigt, somit könne intern das große Engagement der Grünen Damen und Herren durchaus mehr Selbstbewusstsein vertragen. „Versteckt euch nicht, ihr habt es nicht nötig, als Bittstehler zu fungieren. Stellt euch politisch auf und fordert ein, was euch zusteht," appelliert Sittler an seine Zuhörer*innen, „Ihr, die ihr als Gemeinwohlproduzenten die Mitverantwortung für unsere Gesellschaft aktiv wahrnehmt!"

Susanne Zschätzsch, in ihrer Funktion eKH-Landesbeauftragte für Niedersachsen und Bremen und somit zugleich Gastgeberin der Tagung, bedankte sich bei dem ehemaligen Leiter des GZF und zugleich Förderer der eKH für seine Ausführungen und stimmte anerkennend zu: „Die eKH, das sind wir. Und die Gesellschaft sind wir alle und damit ist jeder und jede mitverantwortlich in all unserem Tun und Denken für das Gemeinwohl." Es sei grundsätzlich die innere Einstellung, die neu gedacht werden müsse, so Zschätzsch, um unsere Gesellschaft für die Herausforderungen der Zukunft stark zu machen.

Veränderung braucht Mut – Mut zur Veränderung. Und wer verändern will, muss auch reden. Zum „offen darüber reden" übergab einleitend die Landesbeauftragte das Wort an Heike Brembach. Die Organisationsentwicklerin unterstützt die Kommunikationsfähigkeit in der Binnenmotivation der eKH bereits seit der Landestagung im März und fühlt sich mittlerweile selbst als Grüne Dame der Organisation. Gekonnt suchte die Kommunikationstrainerin den Dialog mit den knapp 100 Grünen Damen und Herren. Es lag ihr vor allem daran, Missverständnisse aufzeigen und Möglichkeiten zu finden, um diesen mit der notwendigen Transparenz und Klarheit begegnen zu können. Aber mehr noch versuchte sie in Gruppenarbeiten und individueller Ansprache das Selbstverständnis einer Grünen Dame/eines Grünen Herren in Bezug auf die innovative Entwicklung der Organisation zu stärken. Dank Brembach entwickelte sich ein offener lebendiger Dialog, ein positiv aufgenommenes Novum in einer Regionaltagung.

Zum Ende des dynamischen Programms übernahmen die stellv. Bundesvorsitzende Katrin Springer und Vorstandsmitglied Beate Exner das Mikrofon und machten nachdrücklich deutlich, dass ohne eine gesicherte Finanzierung ein verlässlicher Haushalt nicht realisierbar sei. Zahlreiche Fortbildungen, Schulungen, Verwaltung, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit eines derart großen Vereins, wie dem der eKH, setzen eine solide wirtschaftliche Basis voraus. Die Neupositionierung sei in erster Linie im Sinne jeder einzelnen Grünen Dame, jedes einzelnen Grünen Herren zu verstehen und diene nicht dem Selbstzweck des Vorstands. Erst durch die Angebote und Leistungen ermögliche die Geschäftsstelle den 11.000 Ehrenamtlichen ein professionell ausgestattetes Arbeitsumfeld, in dem ihre Arbeit auch entsprechend gewürdigt und wahrgenommen werden könne.

„Ich weiß gar nicht, was das Problem ist!" Es war ein interessanter, Mut machender Tag im Ökumenischen Kirchenzentrum Mühlenberg, doch eigentlich hätte es nur dieses einen Leitsatzes von Andrea Goedecke aus Bad Pyrmont bedurft: „Wir sind die eKH, wir alle!"

Text: Heike Beckmann