Katharina Janz und Dr. Gal lächeln in die Kamera.

25 Jahre Psychiatrie und Psychotherapie am Heidekreis-Klinikum: Von der Pionierarbeit zur modernen Versorgung

Heidekreis. Am 2. Juli 2026 feiert die Fachabteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Heidekreis-Klinikums ihr 25-jähriges Bestehen. Was im Jahr 2001 als neue Fachabteilung eines Kreiskrankenhauses begann, hat sich zu einem differenzierten psychiatrischen Versorgungsnetz für den gesamten Heidekreis entwickelt – mit stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten an mehreren Standorten.

Am 2. Juli 2001 nahm die psychiatrische Abteilung ihren Betrieb auf. Der Kreistag hatte die Entscheidung zur Einrichtung einer eigenen Versorgung bereits Ende 1999 getroffen – mit einem klaren Ziel: Psychisch erkrankte Menschen sollten nicht mehr in weit entfernte Fachkliniken verwiesen werden, sondern wohnortnah und in Verbindung mit ihrem sozialen Umfeld behandelt werden. Erster Chefarzt war Friedrich Landzettel, der die Abteilung mehr als 15 Jahre leitete und ihren sozialpsychiatrischen Grundcharakter prägte.

Schon 2002 folgte die Eröffnung einer psychiatrischen Tagesklinik in Soltau – ein früher Schritt hin zu einer wohnortnahen Versorgung in einem geografisch weitläufigen Landkreis. 2012 kam eine zweite Tagesklinik in Walsrode hinzu. Beide Einrichtungen waren von Beginn an stark nachgefragt. Ab 2016 führte Dr. Rahul Sarkar die Abteilung, bevor 2020 Dr. Florian Gal die Leitung übernahm. Unter seiner Führung wurden die psychotherapeutischen Angebote systematisch ausgebaut: mit störungsspezifischen Gruppen- und Einzeltherapien für Menschen mit Depressionen, Angsterkrankungen oder Psychosen sowie einer insgesamt stärker psychotherapeutisch ausgerichteten Behandlungsphilosophie.

Heute verfügt die Klinik über 61 stationäre Betten sowie 36 tagesklinische Plätze an beiden Standorten. Hinzu kommt die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA), sowie eine enge Zusammenarbeit mit ambulanten, sozialen und gemeindepsychiatrischen Partnern im Heidekreis. 2024 zog die Tagesklinik Soltau in neue Räume im Hauptgebäude des Heidekreis-Klinikums am Standort Soltau um: Mit 18 modern ausgestatteten Plätzen und zugleich als konzeptionelle „Blaupause“ für den Klinikneubau in Bad Fallingbostel.

Tagesklinik Soltau: Individuell, alltagsnah, mutig

Wie sich psychiatrische Versorgung im Heidekreis heute versteht, zeigt sich besonders in der Tagesklinik Soltau. Sie steht seit Kurzem unter der Leitung von Katharina Janz, Psychologische Psychotherapeutin. Gemeinsam mit ihrem Team setzt sie den Ansatz fort, psychiatrische Behandlung nah am Alltag der Patientinnen und Patienten zu denken und individuelle Bedürfnisse konsequent in den Mittelpunkt zu stellen.

Was die Tagesklinik Soltau auszeichnet, ist keine Standardversorgung nach festen Therapieplänen. Das Team setzt auf eine starke individuelle Anpassung: Was jemand braucht, bestimmt, was angeboten wird – nicht umgekehrt. Das schließt auch immer wieder Krankheitsbilder ein, die andernorts häufig weitervermittelt werden, etwa Traumafolgestörungen.

Besonders prägend ist die enge Verzahnung von Therapie und gelebtem Alltag. Wer aufgrund einer Angststörung kaum noch das Haus verlässt, übt genau das – begleitet von Therapeutinnen und Therapeuten, an realen Orten und in realen Situationen. Angstexpositionen finden nicht im Übungsraum statt, sondern dort, wo die Angst tatsächlich entsteht: im Supermarkt, auf belebten Plätzen oder im öffentlichen Leben.

Ein Beispiel: Eine Patientin konnte zunächst nur in Begleitung einkaufen gehen – und auch das nur, wenn der Markt nahezu leer war. Durch gezielte Expositionsübungen, bei denen die Angst bewusst zugelassen und ausgehalten wurde, anstatt ihr auszuweichen, gewann sie ihre Selbstständigkeit zurück. Während der Übung wird immer wieder gemeinsam reflektiert: Wie stark ist die Angst gerade auf einer Skala von null bis zehn? Wollen wir weitermachen? Die Betroffenen behalten stets die Kontrolle und Selbstbestimmung in der Übungssituation und werden von den Therapeutinnen und Therapeuten so lange begleitet, bis die Angst spürbar nachlässt. So kann die Erfahrung gemacht werden, dass die Angst auch ohne Vermeidungsverhalten wieder abklingt. Patientinnen und Patienten gewinnen Selbstwirksamkeit, Kontrollerleben und auch wieder Freiheit im Alltag zurück.

Auch die Ergotherapie ist in der Tagesklinik Soltau weit mehr als handwerkliche Beschäftigung. Sie arbeitet zielorientiert: Was möchten die Patientin oder der Patient für sich erreichen? Katharina Janz erklärt: „Wer Schwierigkeiten hat loszulassen, arbeitet vielleicht mit einem Gießbild – einer Technik, bei der Farben über eine schräg gehaltene Leinwand fließen und das Ergebnis nicht kontrollierbar ist. Korbflechten wiederum schult Handlungsplanung und Konzentration und kann Menschen mit ADHS gezielt ansprechen.“ Die Methode folgt also stets dem therapeutischen Ziel – nicht umgekehrt.

Ein weiteres zentrales Thema ist der Verlust von Alltagsstruktur. „Viele Patientinnen und Patienten haben durch Krankheit, Isolation oder berufliche Auszeiten den Rhythmus des Alltags verloren – ein Phänomen, das seit der Corona-Pandemie deutlich sichtbarer geworden ist“, erklärt Chefarzt Dr. med. Florian Gal. „Die Tageskliniken in Soltau und Walsrode können dabei helfen, wieder aktiv zu werden: Schritt für Schritt zurück ins Berufsleben, zurück in soziale Teilhabe, zurück in den gewöhnlichen Alltag.“ Katharina Janz ergänzt: „Hausbesuche und alltagspraktische Übungen können hier ebenso zum Einsatz kommen wie die therapeutische Begleitung in konkreten Angstsituationen.“

Die Wartezeiten spiegeln den hohen Bedarf wider: Auf ein Vorgespräch warten Interessierte derzeit bis zu fünf Monate. Wer das Vorgespräch absolviert hat, wird in der Regel innerhalb von zwei bis acht Wochen aufgenommen.

„25 Jahre psychiatrische Versorgung im Heidekreis sind kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis konsequenter Arbeit an einem klaren Anspruch: psychisch erkrankte Menschen wohnortnah, respektvoll und nach modernen Standards zu behandeln“, sagt Dr. Florian Gal, Chefarzt der Fachabteilung. „Wir sind überzeugt, dass sich gute Psychiatrie immer am Alltag der Menschen orientieren muss: Nah an ihren Bedürfnissen und nah an ihrem Leben.“

Das Jubiläum am 2. Juli 2026 ist für das Heidekreis-Klinikum Anlass, auf Erreichtes zurückzublicken und zugleich den Blick nach vorn zu richten: mit dem geplanten Klinikneubau in Bad Fallingbostel, dem Erhalt und Ausbau wohnortnaher Angebote an den bisherigen Standorten sowie einem Team, das psychiatrische Arbeit als gesellschaftliche Aufgabe versteht.

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