Porträtfoto von Dr. med. Annekatrin Schwanstecher.

Interview mit Dr. med. Annekatrin Schwanstecher: "Ein gesunder Stoffwechsel ist oft der Schlüssel zur Genesung"

Dr. med. Annekatrin Schwanstecher verstärkt als Leitende Oberärztin das Heidekreis-Klinikum mit ihrer Expertise in Gastroenterologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin.

Nicht jede Erkrankung beginnt dort, wo die Beschwerden auftreten. Manchmal liegt der eigentliche Schlüssel im Stoffwechsel. Genau diesen Blick bringt Dr. med. Annekatrin Schwanstecher an das Heidekreis-Klinikum mit. Die Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie bringt nämlich zusätzlich die Schwerpunkte Diabetologie und Ernährungsmedizin mit und verfolgt damit ein Ziel: Stoffwechselerkrankungen früh erkennen, die Entstehung vieler anderer Erkrankungen dadurch sogar verhindern oder deren Behandlung verbessern.

Frau Dr. Schwanstecher, wenn Sie jemand auf einer Veranstaltung, einer Feier fragt: “Was machen Sie eigentlich beruflich?” Was antworten Sie?
„Ich sage, dass ich Ärztin bin, für Innere Medizin und Gastroenterologie. Die meisten denken dann erst einmal an Magen- oder Darmspiegelungen. Das gehört natürlich dazu. Aber mein Schwerpunkt ist eigentlich viel breiter. Mich interessiert der Stoffwechsel des Menschen. Denn der entscheidet oft darüber, wie gut jemand gesund wird und es auch bleibt.“

„Stoffwechsel“ klingt für viele Menschen nach einem Modewort. Warum ist er medizinisch so wichtig?
„Viele denken beim Wort Stoffwechsel nur an Übergewicht. Unser Stoffwechsel nimmt durch seine Wirkung auf Entzündungsreaktionen im Körper, aber auch unser hormonelles Gleichgewicht und das Immunsystem erheblichen Einfluss auf zahlreiche akute und chronische Erkrankung.  Er beeinflusst die Entstehung den Verlauf von Herz-Kreislauf-Leiden, Krebserkrankung, die Wundheilung und vieles mehr. Wenn wir den Stoffwechsel verbessern, verbessert sich häufig die gesamte Behandlung.“

Sie sprechen oft vom Metabolischen Syndrom. Was steckt dahinter?
„Das Metabolische Syndrom ist eine Kombination mehrerer Erkrankungen: Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und ein gestörter Zuckerstoffwechsel. Diese Faktoren verstärken sich gegenseitig. Das Gefährliche daran ist, dass viele Betroffene lange gar nicht merken, wie stark ihr Körper bereits belastet ist.“

Dabei soll insbesondere das Bauchfett problematisch sein, weshalb?
„Weil zu viel Fettgewebe im Bauchraum viel aktiver ist, als viele glauben: Es produziert durch Zelluntergang dauerhaft Entzündungsstoffe. Diese führen dazu, dass der Körper schlechter auf Insulin reagiert. Deshalb darf nicht nur das Körpergewicht interessieren. Der Taillenumfang und eine differenzierte Messung der Körperzusammensetzung sagen oft sogar mehr aus.“

Ihre Arbeit beschränkt sich also keineswegs auf Diabetespatientinnen und -patienten?
„Überhaupt nicht. Eigentlich begegnen uns Stoffwechselprobleme auf fast allen Stationen im Krankenhaus: Ob in der Chirurgie, der Gynäkologie, der Intensivmedizin oder nach größeren Operationen – überall spielt der Stoffwechsel eine Rolle.“

Was verändert das konkret für die erkrankten Menschen im Heidekreis-Klinikum?
„Das neue Diabetes- und Ernährungsteam wird dazu beitragen, dass im HKK stoffwechselmedizinische Probleme und dahingehendes Optimierungspotential in der Behandlung noch stärker in den Fokus rücken können. Wenn auffällige Blutzuckerwerte oder andere Hinweise auf Stoffwechselerkrankungen auftreten und auch, wenn es Anhalt für eine bestehende Mangelernährung gibt, reagieren wir früh. Das verbessert häufig den gesamten Heilungsverlauf.“

Sie betonen immer wieder die Zusammenarbeit im Team. Warum?
„Weil moderne Medizin ohne Teamarbeit nicht funktioniert. Unser Diabetes- und Ernährungsteam begleitet Patienten intensiv und gibt ihnen Sicherheit für den Alltag. Das ist ein ganz wichtiger Baustein einer erfolgreichen Behandlung.“

Neben der Stoffwechselmedizin schlägt Ihr Herz für die Endoskopie?
„Ja! Viele Erkrankungen im Bereich des Magen-Darm Traktes können wir heute mittels ausgefeilter endoskopischer Resektionstechniken, wie der endoskopischen Submukosadissektion (ESD), oder auch durch ultraschallgesteuerte Eingriffe aus dem Magen-Darm-Trakt (Endosonographie) minimal-invasiv behandeln und Patientinnen und Patienten so größere Operationen ersparen. Das Heidekreis-Klinikum verfügt über eine hervorragend aufgestellte Endoskopie! Das war einer der Gründe, warum ich mich für diesen Standort entschieden habe.“

Sie möchten Ihre Expertise aber nicht nur im Krankenhaus einbringen?
„Genau, ich wünsche mir, dass wir mit den Menschen im Heidekreis ins Gespräch kommen. Vorträge, Informationsabende oder Veranstaltungen bei Vereinen kann ich mir sehr gut vorstellen, gern unter ukomm@heidekreis-klinikum.de melden. Es ist mir wichtig, medizinisches Wissen verständlich zu vermitteln. Denn am besten bleiben wir alle gesund!“

Zum Schluss: Verraten Sie uns Ihren persönlich wichtigsten Ernährungstipp?
„Ich schwöre auf Hafer. (lacht) Nicht nur bei unseren Pferden auf dem Hof, sondern auch bei uns zu Hause. Am Ende sind gesunde Gewohnheiten und regelmäßige Bewegung die beste Grundlage für einen gesunden Stoffwechsel.“

Warum denn ausgerechnet Hafer für Mensch (und Pferd)?
Hafer ist weit mehr als ein Energielieferant: Seine Beta-Glucane und komplexen Ballaststoffe nähren das Mikrobiom und fördern die Bildung bioaktiver Metaboliten. Diese wirken direkt auf den Intermediärstoffwechsel und beeinflussen unter anderem die Glukoseregulation und Entzündungsprozesse. Das gilt – mit artspezifischen Unterschieden – sowohl für den Menschen als auch für das Pferd. Deshalb lohnt sich der Blick auf Hafer aus stoffwechselmedizinischer Perspektive gleich doppelt.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Anmerkung: Auch Frau Dr. med. Schwanstecher wird am Stand des HKKs auf dem Walsroder Stadtfest dabei sein.)

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