Nach Routineeingriff: Krebs zufällig entdeckt
Verena Plesse aus Hodenhagen kam wegen einer schmerzhaften, aber zunächst harmlos eingeschätzten Gallenkolik ins Heidekreis-Klinikum und erfuhr, dass sie Krebs hatte. Wie eine Routineoperation ihr möglicherweise das Leben rettete.
Heidekreis. Es war eine Nacht Anfang Februar, die Verena Plesse so schnell nicht vergessen wird. Starke Schmerzen rissen sie aus dem Schlaf – eine Gallenkolik, wie sie sie noch nie erlebt hatte. Sie griff zu Schmerzmitteln und hoffte, dass es sich geben würde. Zwei Tage später saß sie bei ihrem Hausarzt und wenige Wochen danach wusste sie, dass sie Krebs hatte.
Eine Kolik als Wendepunkt
Die Schmerzen kamen nachts und ohne Vorwarnung. Verena Plesse, 69, lebt in Hodenhagen, führt ein geregeltes Leben und hatte bis dahin keine nennenswerten Beschwerden. Die Gallenkolik traf sie deshalb umso härter. „Ich hatte so etwas noch nie. Das war intensiv, ich wusste nicht, was mit mir los ist“, erzählt sie. Nach der Nacht waren die Schmerzen zwar verschwunden, dennoch entschied sie sich, zu ihrem Hausarzt zu gehen.
Der Hausarzt reagierte rasch und überwies sie ins Heidekreis-Klinikum in Walsrode. Dort stellten die Ärzte fest: Kein akuter Notfall, aber dennoch Handlungsbedarf. Eine Gallenblase, die Probleme macht, sollte entfernt werden. Am Montag, den 23. Februar war es so weit.
Routineeingriff mit unerwarteter Botschaft
Die Gallenblasenentfernung, medizinisch Cholezystektomie genannt, gehört zu den häufigsten Operationen in Deutschland. Sie gilt als gut beherrschbar, die Patientinnen und Patienten können in der Regel nach wenigen Tagen nach Hause. So auch bei Verena Plesse: Der Eingriff verlief komplikationslos, am Mittwoch war sie bereits wieder zu Hause. Dann kam der Befund. Die feingewebliche Untersuchung der entfernten Gallenblase zeigte: ein Tumor. Gutartig? Nein. Ein Karzinom.
„Das war ein Schock, aber einer, der erst mit Verzögerung ankam. Im ersten Moment hat es mich gar nicht richtig getroffen“, sagt Verena Plesse. „Dann, zu Hause, wurde mir bewusst, was das bedeutet.“
Zweite Operation – aus gutem Grund
Dr. med. Bassam Hammoud, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiter des Darmkrebszentrums in Gründung am Heidekreis-Klinikum, erklärte seiner Patientin, was als Nächstes zu tun war. Gallenblasenkarzinome haben eine Eigenheit, die sie besonders tückisch macht: Sie neigen dazu, früh zu streuen. Selbst wenn der Tumor vollständig entfernt scheint, können mikroskopisch kleine Krebszellen in benachbartem Gewebe zurückgeblieben sein. „Wir haben Frau Plesse empfohlen, eine erweiterte Operation durchzuführen. Das entspricht dem onkologischen Standard bei Gallenblasenkarzinomen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass keine Krebszellen im Körper verbleiben und sich die Prognose deutlich verbessert“, erklärt Dr. Hammoud.
Bei dem zweiten Eingriff wurden daher ein Teil der Leber in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Gallenblase, regionale Lymphknoten sowie Gewebe entlang der ursprünglichen Zugangswege entfernt. Ein aufwendigeres Verfahren – aus medizinischer Sicht jedoch notwendig.
Gute Prognose, offene Fragen
Auch die zweite Operation verlief erfolgreich. Nach aktuellem Stand zeigen sich keine Hinweise auf verbliebene Tumorreste. Ob dennoch eine adjuvante Chemotherapie notwendig ist, wird eine interdisziplinäre Tumorkonferenz entscheiden, ein Gremium aus Spezialisten verschiedener Fachrichtungen, das gemeinsam über den jeweils besten Behandlungsweg berät. „Die Prognose von Frau Plesse ist derzeit sehr gut. Wir haben früh und konsequent gehandelt. Genau das macht in der Onkologie oft den entscheidenden Unterschied“, erklärt Dr. Hammoud.
„Ich spreche Dinge direkt an“
Verena Plesse verarbeitet das Erlebte gefasst. Sie war geschockt und geht es dennoch ruhig an. Sie sei kein Mensch, der Dinge verdränge. Im Gegenteil. „Ich spreche Dinge direkt an, positive wie kritische. Das war mir auch im Krankenhaus wichtig“, sagt sie. Und sie hat Gutes zu berichten. Die Betreuung auf der Station, das Pflegepersonal, die Kommunikation mit den Ärzten, all das habe sie positiv überrascht. Neben der fachlichen Kompetenz sei es vor allem die Offenheit gewesen, die ihr Sicherheit gegeben habe: „Ich habe mich gut versorgt gefühlt. Nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich. Das ist nicht selbstverständlich, und das weiß ich zu schätzen“, sagt die Hodenhagerin.
Auch ihr privates Umfeld habe sie in den vergangenen Wochen sehr unterstützt. Beides zusammen: Die Fürsorge im HKK und der Rückhalt zu Hause, habe ihr geholfen, die schwierige Diagnose zu verarbeiten und nach vorn zu schauen.
Verena Plesse wartet nun auf die Entscheidung der Tumorkonferenz. Sie tut es ohne Aufregung. „Ich vertraue auf die ärztliche Einschätzung“, sagt sie.
Am Ende war es ausgerechnet eine Gallenkolik, die ihr möglicherweise das Leben rettete.
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