Teamsitzung der Grünen Damen und Herren - Einblick in die Arbeit der Palliativstation
Auf Einladung der Grünen Damen und Herren des Heidekreis-Klinikums waren Marleen Kohn und Michaela Kessler von der Palliativstation zu Gast bei einer Teamsitzung im Gemeindehaus Walsrode.
Die beiden Pflegefachkräfte nahmen sich Zeit, aus ihrem Arbeitsalltag zu berichten und den
Teilnehmenden einen Einblick in die Arbeit der Palliativstation zu geben – einen Bereich des
Krankenhauses, der für viele Menschen mit Fragen, aber auch mit großem Respekt verbunden ist.
Zu Beginn stellten sich beide Referentinnen mit ihrem beruflichen Werdegang vor. Marleen Kohn,
pflegerische Leitung der Palliativstation, arbeitet seit 16 Jahren auf der Palliativstation und hat seit
sieben Jahren die Leitung inne. Sie ist ausgebildete Palliative-Care-Fachkraft und Pain Nurse. Schon
während ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin entwickelte sie ein besonderes
Interesse für die Begleitung schwerkranker Menschen. Für sie steht im Mittelpunkt, Patientinnen und
Patienten ganzheitlich zu sehen – also nicht nur ihre körperlichen Beschwerden zu behandeln,
sondern auch ihre seelischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse wahrzunehmen.
Michaela Kessler gehört ebenfalls seit vielen Jahren zum Team der Palliativstation und arbeitet dort
seit 2011. Beide berichteten anschaulich aus ihrem beruflichen Alltag und machten deutlich, wie
sehr sie ihre Arbeit trotz der emotionalen Herausforderungen erfüllt.
Die Palliativstation in Walsrode
Die Palliativstation verfügt über acht Betten in ausschließlich als Einzelzimmer gestalteten
Patientenzimmern. Ursprünglich war die Station vor allem für Patientinnen und Patienten mit
fortgeschrittenen Tumorerkrankungen vorgesehen. Seit etwa zwei Jahren hat sich das Spektrum
erweitert: Heute werden auch Menschen aus der Hämatologie und Onkologie aufgenommen.
Chefarzt der Abteilung ist Dr. Trummer,.
Ganzheitliche Betreuung im multiprofessionellen Team
Ein wesentliches Merkmal der Palliativstation ist die multiprofessionelle Zusammenarbeit. Ärztinnen
und Ärzte, speziell qualifizierte Pflegekräfte, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten,
Psychologinnen, Mitarbeitende des Sozialdienstes sowie die Seelsorge arbeiten eng zusammen, um
die Patientinnen und Patienten ganzheitlich zu begleiten und sowohl körperliche Beschwerden als
auch seelische und soziale Belastungen in den Blick zu nehmen.
Ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen Stationen liegt in der Organisation der Pflege: Die
Mitarbeitenden sind in kleinere Gruppen eingeteilt, und jede Pflegekraft betreut jeweils etwa vier
Patientinnen oder Patienten. Diese Struktur ermöglicht eine besonders persönliche Betreuung. Viele
Betroffene berichten, dass sie sich dadurch intensiver wahrgenommen und besser versorgt fühlen.
Die Hierarchien im Team sind bewusst niedrig gehalten, der Austausch untereinander ist eng.
Regelmäßige Supervisionen helfen dabei, die belastenden Erfahrungen des Arbeitsalltags
gemeinsam zu reflektieren.
Aufnahme und Aufenthaltsdauer
Voraussetzung für eine Aufnahme auf der Palliativstation ist eine lebensverkürzende Erkrankung mit
hoher Symptomlast. Ziel der Behandlung ist es, belastende Symptome zu lindern und die
Lebensqualität zu verbessern.
Die Aufnahme erfolgt über ein Anmeldeverfahren. Ist ein Bett frei, kann die Aufnahme kurzfristig
erfolgen. Andernfalls kann es zu einer Wartezeit von bis zu einer Woche kommen.
Die durchschnittliche Liegezeit hat sich in den letzten Jahren verändert. Früher lag sie meist
zwischen sieben und zehn Tagen, inzwischen beträgt sie häufig nahezu zwei Wochen. Ein Grund
dafür ist, dass viele Patientinnen und Patienten weiterhin medizinische Therapien wünschen,
wodurch sich der Aufenthalt verlängert.
Ziel: Stabilisierung und Entlassung
Ein häufiges Missverständnis ist, dass eine Palliativstation ausschließlich ein Ort des Sterbens sei.
Tatsächlich geht es zunächst darum, die Symptomlast zu verringern und eine Stabilisierung zu
erreichen.
Früher konnten etwa 60 Prozent der Patientinnen und Patienten nach der Behandlung wieder
entlassen werden – nach Hause, in eine Pflegeeinrichtung oder in ein Hospiz. Heute liegt dieser
Anteil bei etwa 70 Prozent. Etwa 30 Prozent der Menschen versterben auf der Palliativstation.
Neben der medizinischen Versorgung wird auch das Familiensystem in den Blick genommen, denn
Krankheit und Sterben betreffen immer auch die Angehörigen.
Vorsorge: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
Ein weiteres wichtiges Thema, das im Vortrag angesprochen wurde, ist die Patientenverfügung und
Vorsorgevollmacht. Marleen Kohn und Michaela Kessler betonten, wie sinnvoll es ist, sich frühzeitig
mit diesen Fragen zu beschäftigen – unabhängig davon, ob man selbst krank ist oder nicht.
In einer Patientenverfügung kann festgelegt werden, welche medizinischen Maßnahmen man sich
in bestimmten Situationen wünscht oder ablehnt. Eine Vorsorgevollmacht bestimmt, wer
Entscheidungen treffen darf, wenn man selbst nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen zu äußern.
Empfohlen wird, diese Dokumente beim Hausarzt zu hinterlegen. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil
die Palliativstation bei einer Aufnahme in der Regel Kontakt mit dem Hausarzt aufnimmt. So können
wichtige Informationen schnell verfügbar sein und der Wille der Patientin oder des Patienten besser
berücksichtigt werden.
Unterstützende Angebote im Heidekreis
Im Heidekreis gibt es außerdem ein Palliativ-Netzwerk, das schwerkranke Menschen ambulant zu
Hause versorgt. Eine Betreuung durch dieses Netzwerk ist unabhängig von einem Pflegegrad
möglich.
Ergänzend dazu begleitet der ambulante Hospizdienst erkrankte Menschen und ihre Angehörigen
und unterstützt sie vor allem durch Gespräche, Zeit und menschliche Zuwendung.
Würdevolle Begleitung am Lebensende
Neben der medizinischen Versorgung ist auch die Begleitung am Lebensende ein wichtiger
Bestandteil der Arbeit. Ziel ist es, den Abschied so würdevoll wie möglich zu gestalten. Dazu gehört
auch der sogenannte „letzte Blick“, bei dem Angehörige sich in Ruhe verabschieden können.
Zweimal im Jahr findet zudem ein Erinnerungsgottesdienst statt. Dabei werden die Namen der
Verstorbenen verlesen und Kerzen entzündet. Dieses Ritual ist nicht nur für Angehörige wichtig –
auch für die Mitarbeitenden bietet es Raum für Abschied.
Blick in die Zukunft
Es gibt Überlegungen, die Palliativstation auf zehn Betten zu erweitern, da zwei der vorhandenen
Zimmer aufgrund ihrer Größe in jeweils zwei Zimmer umgebaut werden könnten.
Im geplanten Neubau des Heidekreis-Klinikums wird die Palliativstation jedoch erweitert: Dort sollen
elf Betten zur Verfügung stehen. Außerdem ist eine Dachterrasse vorgesehen, damit Patientinnen
und Patienten – wenn es ihr Zustand erlaubt – auch Zeit im Freien verbringen können. Das ist derzeit
nur auf dem Balkon möglich.
Eine besondere Arbeit
In ihrem Vortrag machten Marleen Kohn und Michaela Kessler deutlich, dass die Arbeit auf der
Palliativstation zwar emotional anspruchsvoll ist, gleichzeitig aber auch sehr bereichernd sein kann.
Viele Mitarbeitende erleben, dass ihnen diese Arbeit auch die Angst vor dem Tod nimmt und die
eigene Haltung zum Leben verändert.
Der Tod wird nicht ausgeblendet, sondern als Teil des Lebens verstanden.
Für die Grünen Damen und Herren bot der Nachmittag einen eindrucksvollen Einblick in einen
Bereich des Krankenhauses, in dem medizinische Kompetenz, Teamarbeit und menschliche Nähe
besonders eng miteinander verbunden sind.
Birgit Anger
Leitung Grüne Damen und Herren Walsrode
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